Pflegegrad beantragen: So läuft es ab – und so bereiten Sie die Begutachtung vor
Zuletzt geprüft am 9. Oktober 2026.
Kurz gesagt
Der Antrag ist einfach: Ein Anruf bei der Pflegekasse genügt, Leistungen gibt es ab dem Monat des Antrags. Danach kommt eine Gutachterin des Medizinischen Dienstes zu Ihnen nach Hause und prüft, wie selbstständig Ihr Angehöriger im Alltag ist. Entscheidend ist eine gute Vorbereitung: Notieren Sie ein, zwei Wochen lang, wobei Sie helfen, und seien Sie beim Termin dabei. Die Kasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden.
Der Weg zum Pflegegrad in fünf Schritten
1. Antrag stellen
Rufen Sie die Pflegekasse an – sie sitzt bei der Krankenkasse. Damit ist das Antragsdatum gesichert, und Leistungen gibt es ab diesem Monat. Danach schickt die Kasse ein Formular. Lieber schriftlich? Antrag als Brief erstellen
2. Termin abwarten
Der Medizinische Dienst meldet sich und vereinbart einen Termin. Bei privat Versicherten heißt der Gutachterdienst Medicproof. Die erste Begutachtung findet immer zu Hause statt.
3. Gut vorbereiten
Die wichtigste Zeit. Notieren Sie ein bis zwei Wochen lang, wobei Sie helfen – auch Kleinigkeiten wie Erinnern oder Bereitlegen. Pflegetagebuch zum Ausdrucken
Legen Sie Unterlagen bereit (siehe Checkliste unten). Mit dem Pflegegrad-Rechner sehen Sie vorab, welche Bereiche zählen.
4. Die Begutachtung
Die Gutachterin bleibt meist rund eine Stunde und fragt sich durch sechs Lebensbereiche: Bewegung, Gedächtnis, Verhalten, Körperpflege, medizinische Versorgung, Alltag.
- Seien Sie dabei. Viele Pflegebedürftige reißen sich beim Termin zusammen und wirken fitter, als sie sind.
- Beschreiben Sie normale und schlechte Tage – ehrlich, ohne zu übertreiben.
- Zeigen Sie den echten Alltag. Bereiten Sie nichts besonders vor und helfen Sie so, wie Sie es sonst auch tun.
- Bitten Sie um ein Gespräch unter vier Augen, wenn Sie vor Ihrem Angehörigen nicht offen sprechen möchten.
5. Bescheid prüfen
Die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Ihrem Antrag entscheiden. Ist sie zu spät und liegt das nicht an Ihnen, zahlt sie 70 € für jede angefangene Woche Verspätung.
Mit dem Bescheid kommt das Gutachten. Lesen Sie es in Ruhe: Ist alles richtig beschrieben? Ist der Pflegegrad zu niedrig, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. So geht der Widerspruch
Bereitlegen für den Termin
Das können Sie jetzt tun
- Heute bei der Pflegekasse anrufen – das sichert das Datum.
- Pflegetagebuch ausdrucken und ab morgen Notizen machen.
- Den Termin fest einplanen und unbedingt dabei sein.
Häufige Fragen
Wer kann den Antrag stellen?
Die pflegebedürftige Person selbst oder jemand mit Vollmacht, zum Beispiel Sohn oder Tochter. Ein formloser Anruf oder Brief genügt.
Was ist, wenn mein Angehöriger sich beim Termin besser darstellt?
Das ist sehr häufig. Seien Sie dabei und ergänzen Sie ruhig, wie es an normalen und schlechten Tagen aussieht. Sie können die Gutachterin auch um ein kurzes Gespräch unter vier Augen bitten.
Kann die Begutachtung am Telefon stattfinden?
Die erste Begutachtung findet immer zu Hause statt. Bei einer Höherstufung ist Telefon oder Video möglich, aber nur, wenn Sie zustimmen. Einen Hausbesuch können Sie immer verlangen.
Quellen
- § 18c SGB XI – Entscheidung über den Antrag
- Verbraucherzentrale: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst – so bereiten Sie sich vor
- Verbraucherzentrale: Die telefonische Begutachtung (Stand 02.10.2026)
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